Home
Sonntag, 18. November 2018
 
 
 
Home
Leser–Service
Anzeigen-Service
fifi - der Firmenfinder
Kontakt
Suche
Impressum
Datenschutzerklärung
Lesezeichen setzen!
 
 
Private Kleinanzeigen
… aufgeben
… lesen
Winterreifenbörse
 
 
Das wochenblatt zwitschert jetzt mit!
 
 
Fritz Fink über schwere Zeiten für Brander und Schöllenbacher Kirchgänger Drucken E-Mail

150-jährige  Zugehörigkeit zur Kirchengemeinde  Eschenau

Der Hirnstein bei OberschöllenbachDer Brander und Schöllenbacher Kirchenweg nach Beerbach von 1300 bis 1858
2008 jährte sich die 150-jährige Zugehörigkeit der Brander und Schöllenbacher evangelischen Gemeindemitglieder zur Kirchengemeinde Eschenau. Wie zahlreiche Orte im Schwabachgau in alten Zeiten waren Eschenau, Beerbach, Neunhof, Bullach, Eckenhaid Herpersdorf, Mausgesees, Ebach, Forth und Büg, sowie auch Brand und die beiden Schöllenbach ab 1200 nach Kirchröttenbach eingepfarrt. Infolge des sehr weiten Kirchenweges wurde um 1300 in Beerbach eine Filial- oder Nebenkirche errichtet, zu welcher sich dann auch Brand und die beiden Schöllenbach hielten und dabei ihren Kirchenweg wenigstens zum Teil verkürzten. Im Jahr 1306 erhielt der so nahe gelegene Ort Eschenau eine eigene Pfarrei. Jedoch eine Einpfarrung der Orte Brand und der beiden Schöllenbach scheint weder begehrt noch angeboten worden zu sein.

Brander Gutsherr und die Kirche in Beerbach

Bestimmend dafür, dass die Brander ihre Kirchenhandlungen zu Beerbach hielten, dürften vor allem die in Brand dominierenden Gutsherren von Hetzelsdorf gewesen sein, welche auch Gutsherren in
Beerbach waren. Das erklärt auch, dass die Kirche zu Beerbach in heutiger Gestalt 1488 von Lorenz Hetzelsdorfer erbaut wurde – und  scheint außerdem der Grund dafür zu sein, dass Brand nicht schon 1306 nach Eschenau gepfarrt wurde. Schon die Herren Hetzelsdorf mögen für das an einem idyllisch gelegenen Ort zu Beerbach befindliche Gotteshaus eine Vorliebe gehabt haben.

Brander und Schöllenbacher hielten sich schon um 1699 zur Kirche Eschenau

Während der jahrhundertelangen Zugehörigkeit Brands zur Kirche in Beerbach kam es allerdings wiederholt vor, dass sich Brander zur Kirche in Eschenau hielten, mit Gottesdiensten, Hochzeiten und Taufen, jedoch beerdigt wurden sie wie alle Brander in Beerbach. Dies geschah um 1580 sowie während des 30-jährigen Krieges 1618-1648. Im Jahr 1699 waren sogar Gutsherren zu Brand und der beiden Schöllenbach, die Gutsherren Bünau und die Ölhafen von Schöllenbach mit den Muffel zu Eschenau übereingekommen, ihre Untertanen nach Eschenau zu pfarren; allein die Freiherren Welser, die das Kirchen-Patronat Beerbach innehatten, haben damals im Jahr 1660 Einspruch dagegen erhoben und deshalb mußte der alte unerträgliche Zustand erhalten bleiben.

Differenzen zwischen den Muffeln und Welsern

Infolge dessen kam es bald darauf in kirchlichen Angelegenheiten zu erheblichen Differenzen zwischen den Welsern und den Muffeln von Eschenau. So geschah es, wie die Welser 1708 an den Rat von Nürnberg berichteten, dass Joh. Wilhelm Muffel von Eschenau einen von dem Beerbacher Pfarrer von Brand aus begleiteten Leichenkondukt beim Eintreffen an der Eschenauer Flurmarkung mit Gewalt zurücktrieb und den Geistlichen gröblich beleidigte, weil er nicht dulden wollte, dass ein Brander Leichenzug anders als in aller Stille und ohne jeden feierlichen Aufzug durch den Markt Eschenau zog. Als dann der Leichenzug von zwei Kompanien der Brander Bürgerwehr oder zufällig anwesenden markgräflichem Militär eskortiert wurde und wieder an der vorbezeichneten Stelle eintraf, hatte auch Muffel seine Mannen aufgeboten, denen die Brander Eskorte nicht gewachsen war. Der Beerbacher Pfarrer mußte daraufhin Eschenau auf Feldwegen umgehen und den Leichenzug, der nun in aller Stille durch den Markt ging, außerhalb des Marktes erwarten – bei der so genannten Toteneiche am Teuerleinsweiher (Grenze der Eschenauer und Beerbacher Flur an der Straße Eschenau-Lauf).

Repressalien der Welser

Ähnliche Vorfälle ereigneten sich dann 1710, 1711 und 1725. Und da weder die Welser noch die Brander gegen die Muffel aufkamen, griffen erstere zu Repressalien dadurch, dass sie ihren Untertanen zu Neunhof, Beerbach, Tauchersreuth und Groß- und Kleingeschaidt verboten, künftighin nach Eschenau etwas zu verkaufen oder dort kaufen und arbeiten zu lassen. Da sich diese Haltung aber bald beiderseits total negativ auf die betroffenen Orte auswirkte, wurde auf Bitte genannter Ortschaften dieses Verbot bald wieder aufgehoben.

Mehrere erfolglose Umpfarrungsversuche

Eine neue Umpfarrungsbewegung setzte erst wieder im Jahr 1814 ein und nach deren Erfolglosigkeit eine weitere im Jahr 1836, die beide von Brand und den beiden Schöllenbach ausgingen. Jedoch war es dieses Mal auffallenderweise der Eschenauer Pfarrer Dr. Sittig, der sich der Einpfarrung vorgenannter Ortschaften widersetzte. Im Jahr 1857 erneuerten die drei Gemeinden ihr Gesuch und nun endlich nahm die Sache einen günstigen Verlauf. Die Behörden erkannten die Berechtigung des längst fälligen Vorhabens und so kam es, dass die drei Gemeinden am 21. September 1858 nach einer über 550-jährigen Zugehörigkeit zur Kirche in Beerbach feierlich in die Pfarrgemeinde Eschenau aufgenommen wurden.

550 Jahre währender misslicher Zustand

Außer den bereits geschilderten Behinderungen und weiteren Fährnissen kann man sich heute kaum mehr vorstellen, wie den damaligen Untertanen das „zur Kirche gehen“ erschwert wurde. Es waren körperliche Anstrengungen, Entbehrungen, Gefahren für Gesundheit bei Sommerhitze, Kälte und Schnee zu verschiedenen Tageszeiten, Kraftverbrauch und Zeitvergeudung infolge des weiten Weges bei schlechtesten Straßen- und Wegeverhältnissen durchzustehen. Beschwernisse, die zusätzlich zur täglichen schweren Arbeit auch bei Erntezeiten bis zur Erschöpfung der Kraft dazu kamen. Wenn man auch noch bedenkt, daß außerdem zusätzlich kirchliche Handlungen wie Beerdigungen, und etliche weitere Vorgänge notwendig waren, bei einer Entfernung von Brand nach Beerbach bis zu ca. vier Kilometern, Oberschöllenbach ca. fünf Kilometer, Unterschöllenbach ca. 6,5 Kilometer einfach gemessen. Heutzutage ein nicht mehr begreiflicher, mißlicher Zustand, der den Christenmenschen damals von sogenannten Dorfherren 550 Jahre lang aufgebürdet wurde.

Fritz Fink, 9.12.2008

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 8. Januar 2009 )
 
< vorherige Meldung   nächste Meldung >
 
 
Das aktuelle Heft zum online-Blättern
 
 
Der Gloss'n Hans macht sich Gedanken
 
 

fifi findet
fifi - der pfiffige
Firmenfinder

 
 
Leserfotos

Leserfoto