|
Biberpopulation wächst stetig Seit drei Jahren liegt die Verantwortung für die Biberpopulation in Erlangen-Höchstadt in den Händen des Landratsamtes und dort vor allem bei Johannes Marabini, dem Biberbeauftragten. Der Biber, das zweitgrößte Nagetier der Welt, war aufgrund intensiver Bejagung in Deutschland ausgerottet. „Sein Pelz war viel Geld wert und das Fleisch essbar – er war komplett verwertbar und damit als Jagdbeute beliebt“, erklärt Johannes Marabini. Der Bund Naturschutz siedelte bereits in den 60er Jahren im Donaugebiet wieder Tiere an. Seitdem wächst die Population erfolgreich entlang der Fließgewässer und inzwischen ist der Biber auch in unserer Region wieder heimisch geworden. Die Aisch hat „Meister Bokert“ – wie der Biber in der Fabel heisst – schon vollständig für sich zurück erobert, Regnitz und Ebrach teilweise, und auch in der Schwabach wurden bereits Bissspuren an Bäumen gefunden. Sie sind oft das einzige Indiz für die Ankunft eines der scheuen und nachtaktiven Biber.
Im Bild: An der Schwabach hat „Meister Bokert“ schon seine Spuren hinterlassen. Vielleicht sieht man ihn auch bald im Eckenbach. Ein Biberpaar braucht rund 2 km Flußlauf als Lebensraum. Das Weibchen gebiert jedes Jahr bis zu drei Jungtiere, die, sobald sie selbstständig sind, aus dem Revier verjagt werden. Sie folgen dann dem Fließgewässer oder weichen in Nebenarme aus, bis sie ein geeignetes Gebiet für eine Neubesiedelung gefunden haben. Voraussetzung ist, dass genug Weichholz an den Ufern wächst, denn von der Rinde ernähren sich die Tiere im Winter. Sind im umliegenden Gebiet keine Reviere mehr frei, werden keine Biber mehr geboren – natürliche Geburtenkontrolle. Die Ausbreitung der Tiere führt aber auch zu Problemen, denn sie siedeln nicht nur in Fließ- sondern auch in stehenden Gewässern, beispielsweise in Karpfenteichen im Aischgrund. Die emsigen Nager können dort – obwohl sie reine Pflanzenfresser sind – erhebliche Schäden anrichten, indem sie die trennenden Dämme in den Teichketten untertunneln und somit zum Einsturz bringen. Denn nicht nur Burg mit Unterwassereingang, auch Flucht- und Essenstunnel gehören zu einer ordentlichen Biberbehausung. „Wenn der Eigentümer dann morgens zu seinem Teich kommt, kann es ihm passieren, dass der Damm gebrochen ist und seine Karpfen sich im Weiher des Nachbarn befinden. Im schlimmsten Fall war der angrenzende Weiher trockengelegt, dann sind die Fische an der Luft verendet“, beschreibt Marabini die Sorgen der Teichwirte. Für diese Fälle gibt es in Bayern einen Fonds für Biberschäden: 280.000 m stehen für Ausgleichszahlungen zur Verfügung, die aber 2009 nicht ausgeschöpft werden mussten. Im Falle erheblicher wirtschaftlicher Nachteile kann laut artenschutzrechtlicher Ausnahmeverordung auch die Tötung des Bibers in Frage kommen. Das wird jedoch zuvor vom Landratsamt genauestens überprüft, denn „Meister Bokert“ ist streng geschützt. Und das hat seine Gründe: Der Biber gestaltet sich seine Umwelt selbst und das wirkt sich positiv aus. Beispielsweise ist nicht jedes Gewässer tief genug, um den Unterwassereingang zu seiner Burg zu ermöglichen. Also errichtet der findige Bauherr einen Damm, um das Wasser zu stauen. Dadurch entstehen Feuchtgebiete, die wiederum für Amphibien und Vögel einzigartige Lebensräume bilden. Somit trägt der Biber aktiv zur Artenvielfalt in der heimischen Fauna bei. Kreisrat Manfred Bachmayer sieht noch einen Vorteil in der Bautätigkeit des emsigen Nagers. Durch die Dämme entstehen „natürliche Regenüberlaufbecken“, die im Falle starker Regenfälle die Gefahr für Überschwemmungen, wie sie auch in Eckental schon vorkamen, senken könnten. Die an Biberburgen grenzenden Gebiete können von den Eigentümern stillgelegt werden – der bayerische Staat sieht hierfür Fördermittel vor –, um als Überschwemmungfläche zu dienen. Bald schon könnten sich die Tiere auch entlang des Eckenbachs ausbreiten. Für diesen Fall möchte Bachmayer vorsorgen und hat mit seiner Kollegin Christiane Kolbet angeregt, eine Biber-Informationsbroschüre für die Bürger herauszugeben, damit es nicht zu Interessenskonflikten zwischen Biber und Bürger kommt. |