|
Rundgang durch das „Schatzkästchen“ von Forth-Büg In den letzten Monaten und Jahren wurde viel diskutiert über die Perspektiven für das Schloss Büg in Forth (wir berichteten). Von außen kennt fast jeder das historische Gebäude, das lange in Privatbesitz war und heute dem Markt Eckental gehört. Wie sich das ehemalige Wasserschloss im Lauf der Jahrhunderte verändert hat und wie groß der immense Sanierungsbedarf ist, kann man nur von innen sehen. Das wochenblatt hatte nun die seltene Gelegenheit, sich ein Bild davon zu machen: Weitere Fotos von der Entdeckungsreise durch das alte Gemäuer finden Sie hier…
Von außen wirkt das Büger Schloss durch das imposante Eingangstor ganz wie das herrschaftliche Anwesen, das es über Jahrhunderte war. In seinem Innern stellt es sich dem Betrachter jedoch anders dar: 60er Jahre Hängelampen, 70er Jahre Blumentapete, Fototapete der 80er, hellblaue „Raufaser“ der 90er und moderne Halogenscheinwerfer zeigen einen Querschnitt der Einrichtungsstile der letzten Jahrzehnte. Nach dem zweiten Weltkrieg befand sich das Büger Schloss im Privatbesitz, es wurde aufgeteilt und den zeitgemäße Wohnstandards angepasst. Schöner Stuck verschwand unter eingezogenen Decken. Fensteröffnungen passte man radikal an und ersetzte Fensterläden durch Rollos. Trennwände wurden pragmatisch eingezogen, um aus Rittersälen 2-Zimmer-Wohnungen zu machen sowie Rohre und Leitungen verlegt. Linoleum ersetzte teilweise die Fliesen im Treppenhaus und das hölzerne Geländer im immer noch geräumigen Treppenaufgang zeigt sich dem Besucher in blau, rot und zartrosa. Im zweiten Stock jedoch wechseln die Eindrücke. Erkannte man in den unteren Ebenen keine Unterschiede zu einem gewöhnlichen Mietshaus, drängt sich in den oberen schon eher das Gefühl auf, in einem verlassenen Schloss zu sein. Dicke Holzbalken, geschwungene Fensterlinien und der allgegenwärtige Geruch nach altem Holz und Staub versetzen den Besucher in die Vergangenheit. Nur einige kleine Zimmer sind hier noch für die Wohnnutzung ausgebaut, der Großteil dieses Geschosses wird vom Dachboden eingenommen. Hier sammeln sich Blätter und Holzspäne am Boden, der Holzwurm hat Sägemehlhäufchen hinterlassen und Spinnweben ranken sich um die uralten Wäscheleinen. Eine kleine Stiege führt hinauf in eine letzte Ebene direkt unter dem Dachgiebel. Auf den hölzernen Dachplanken haben Schornsteinfeger seit den 50er Jahren ihre Namen hinterlassen.
Unsere Entdeckungsreise führt uns weiter in den Keller. Die Gewölbe sind halbrund und im Eingangsbereich befindet sich sogar noch der Karzer, in dem in der Vergangenheit die Delinquenten auf ihre Gerichtsverhandlung warteten. In einem Raum findet sich ein uralter Küchenherd, in einem anderen ein historischer Wasserboiler für Wäsche – beide wurden noch mit Holz beheizt. Die Fenster reichen hier bis zum Boden, so dass der Keller mit seinen ursprünglich weiß verputzten Wänden hell und freundlich wirkt.
Dieser Eindruck zieht sich durch das ganze Schloss: Große Fenster und das offene Treppenhaus lassen es einladend wirken. „Durch die Wohnnutzung bis 2001 ist es in einem erstaunlich guten Zustand. Das Dach ist fast überall dicht und es gibt nahezu keine Wasserschäden oder Schimmel“, erklärt Thomas Pickelmann, zuständig für Grundstücksangelegenheiten beim Markt Eckental. Das wird sich jedoch leider ändern, wenn es nicht mittelfristig wieder einer Nutzung zugeführt wird. Denn Gebäude verfallen schnell, wenn sie leer stehen. Ausschließlich Außenmauern und Treppenhaus des Büger Schlosses sind denkmalgeschützt. Im Inneren haben zu viele Umbauten stattgefunden. Welche Wand wann entstand, kann niemand mehr nachvollziehen. Dies ist insofern ein Nachteil, weil nicht mehr genug historische Bausubstanz vorhanden ist, um finanzielle Unterstützung vom Amt für Denkmalschutz bei der Restaurierung zu erhalten. Verschiedene Möglichkeiten für eine Nutzung sind in Betracht gezogen worden (wir berichteten), scheitern jedoch im Moment noch an der Finanzierung. So bleibt nur zu hoffen, dass für dieses Forther Schatzkästchen bald eine Lösung gefunden wird – die Gründung eines Fördervereins ist bereits angedacht und könnte hier viel bewegen. |