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Begonnen hat alles mit einer Nähmaschine Drucken E-Mail

Maria HofmannMaria Hofmann lebt seit 15 Jahren in Namibia
Maria Hofmann ist 71 Jahre alt, doch das sieht man der agilen Dame nicht an. Verschmitzt lächelnd sitzt sie im Kreise ihrer Freundinnen vom Eine-Welt-Arbeitskreis der Pfarrei Stöckach/Forth und erzählt von ihrem Leben in Namibia. 1995, mit dem Pensionseintritt, krempelte Maria Hofmann ihr Leben komplett um, brach in Forth ihre Zelte ab und zog nach Namibia. „Ich habe immer viel gebetet und Gott um Hilfe für andere Menschen gebeten. Aber irgendwann habe ich mir gedacht, beten allein ist nicht genug. Man muss auch was tun“, erzählt die ehemalige Religions- und Handarbeitslehrerin. Ihre Familie, sie war nie verheiratet, unterstützte sie dabei und ist stolz auf ihre rührige Verwandte.

Wieder einmal zu Besuch in Deutschland: Maria Hofmann (2. v. l.) lebt seit 15 Jahren in Namibia und engagiert sich dort in der Bildungsarbeit. Die Damen der Eine-Welt-Gruppe Stöckach/Forth, Renate Siebenkäs, Stilla Langenbuch und Gabi Schmidt (v. l.), unterstützen sie mit Spenden bei ihren Projekten. 

Bereits in den 60er Jahren hatte Maria Hofmann Freundschaft mit Heinz Theo Stens, Mitglied in der Gemeinschaft der Oblaten und Religionslehrer geschlossen. 1994 ging Stens nach Namibia in die St. Boniface Gemeinde in der Hauptstadt Windhoek. Dorthin lud er seine Bekannte Hofmann ein, als er hörte, dass sie in Pension ging. „Da war ich dann für acht Wochen zu Besuch. Doch als ich nach Hause kam, gefiel es mir hier nicht mehr, ich weinte vor Heimweh nach Namibia. Also packte ich meine Sachen und zog nach Windhoek“, erklärt Maria Hofmann ganz pragmatisch den Aufbruch nach Afrika. Um zu helfen, habe ich mir eine Nähmaschine angeschafft. Eine meiner ersten Arbeiten waren Talare für die neuen Priesteranwärter. Mit einer Freundin besuchte sie die Haushalte in dem durch Zwangsumsiedelung entstandenen Vorort Katutura (Deutsch: „Da, wo keiner hin will“), einem Schwarzenviertel im Norden von Windhoek. Zwar ist die Situation in Katutura nicht so schlimm wie in vielen Ghettos, doch Armut, AIDS und Kriminalität erschweren auch hier das Leben. „20-30 Prozent der Namibier haben AIDS“, seufzt Maria Hofmann. „Der Staat versucht ­durch anti-retrovirale Medikamente das Leid zu lindern und durch Informationskampagnen und kostenlose Kondome die Neuinfektionsrate zu reduzieren. Aber manche glauben immer noch, dass Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau die Krankheit heilt – und dann werden kleine Mädchen vergewaltigt.“

Gegen solche Methoden und so viel Leid hilft nur eines, da ist sich die ehemalige Lehrerin sicher: Wissen. Und so verwundert es nicht, dass sie in ihrem Hilfskonzept gleich zwei Schwerpunkte auf die Verbesserung der Bildungschancen ärmerer Namibier setzt.

Zum einen mit der Stiftung Thusanang, deren Vorsitzende sie nach dem Tod von Gründer Heinz Theo Stens 2005 wurde. Die Stiftung verwendet ihre Erträge, um begabten, aber finanziell schlechter gestellten Namibiern über Studienkredite den Hochschulzugang zu ermöglichen. Bei der Vergabe gilt die Maxime, dass, bei gleicher Qualifikation, Frauen bevorzugt Stipendien erhalten. „Frauen sind in dieser Gesellschaft und in der Familie nach wie vor benachteiligt, dabei stemmen sie die ganze Produktion. Sie sind für den Lebensunterhalt und die Kinder zuständig. Gegen diese Ungerechtigkeit wollten wir etwas unternehmen“, erzählt Maria Hofmann.

Zweiter Schwerpunkt ist ihr privates Engagement. Sie versucht, Ärmeren den Zugang zu Schulen zu ermöglichen, indem sie die Schulgebühr, die bis zu 2.500 Namibia-$ betragen kann, übernimmt. Auch für das Waisenhaus Megameno (Hoffnung), in dem viele kranke Kinder – auch viele AIDS-Waisen leben – engagiert sie sich. Hier finanziert sie Grundnahrungsmittel wie Maismehl oder Zucker.

Die Spenden für diese Hilfen sammelt sie selbst. Eine Stütze ist der Arbeitskreis der Eine-Welt-Gruppe Stöckach/Forth. Seit 1995 verkauft man hier einmal monatlich nach dem Gottesdienst fair gehandelte Waren. „Ein kleiner Erlös bleibt da jährlich“, erklärt Vorsitzende Gabi Schmidt. „Als wir überlegten, an wen wir dieses Geld spenden können, erzählte Stilla Langenbuch von ihrer Bekannten Maria Hofmann. Seitdem spenden wir regelmäßig an sie. Im Laufe der Jahre hat sich die Bekanntschaft vertieft und Maria besucht uns immer wieder, wenn sie mal in Deutschland Urlaub macht.“ Am Freitag, 16. April, können Interessierte die engagierte Dame auch persönlich kennenlernen, denn der Weltladen Eschenau und die Eine-Welt-Gruppe Stöckach/Forth laden um 19 Uhr in die Eschenauer Pfarrscheune ein. Dort wird Maria Hofmann berichten – über „15 Jahre Bildungsarbeit in Namibia“.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 14. April 2010 )
 
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